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TRÄUME WERDEN WAHR - ALBTRÄUME

13.06.08

Der Zufallsbefund „Lungenschatten" zerstört die grenzenlose Erleichterung über den erfolgreich verlaufenen Herzkathetereingriff, die Freude über die bevorstehende Krankenhausentlassung schlagartig – fast zeitgleich

Aus Lungenschatten werden „ multiple Rundherde", schließlich unmissverständlich: Krebsmetastasen

Wo sitzt der Urheber des Bösartigen?? 2 Tage und Nächte aufkeimende Hoffnung: Speiseröhre, Magen, Darm ohne Befund - der nächste Schlag dann am vierten Tag Bauchraum-CT zeigt den aggressivsten und bestgetarntesten Zerstörer des Lebens: Bauchspeicheldrüsenkrebs, Pankreaskarzinom , ductal-invasiv, - unheilbar, weil seine Vernichtungstruppen als „pulmonale filiae"(Töchter!!) die Lunge schon besetzt haben

Allmählich registriert der Verstand die Diagnose – der Lebenswille –noch nicht:

eingeholte Zweitmeinungen aus Immenhausen, Kassel, Heidelberg aber bleiben hartnäckig, werden deutlicher: Operation sinnlos, nur Chemotherapie kann in 30-50% der Fälle vorübergehenden Stillstand oder Rückgang des Krebszellenwachstums bewirken – trotzdem, neue Hoffnung . wenn du dazugehörst . . .??

Heidelberg aber bremst weiter : das Zeitfenster des Überlebens ist klein, beträgt 6 Wochen bis max. 2 Jahre oder 42 - 712 Tage! . . .

 

25.07.08

die 6 Wochen sind vorbei – der countdown läuft !

Tage, Wochen ohne neue Erkenntnisse, alles Wissen wird 100mal neusortiert, abgesucht nach Vergessenem, Nichtbeachtetem, hektisch, oft resigniert, zunehmend depressiv, dann wieder aufbegehrend . . .

Mir wird eine Botschaft überbracht . . .: der PC läuft, ein belangloses Video. Plötzlich Standbild, Bildausfall, Texteinblendung:

. . . u.a."unser Leben ist endlich, das ist eine Binsenweisheit, die,Gott sei Dank ins Unterbewusstsein abgesunken, unseren Lebensrhythmus, unsere Lebensplanungen nur sporadisch stört.

Für Sie gilt aber ab jetzt: Zeitpunkt und vor allem Umstände Ihres Todes sind nicht mehr virtuell, sondern real.

Daran werden wir Sie ab jetzt durch unseren „Service" permanent, rund um die Uhr erinnern .

Zur Veranschaulichung dieser Botschaft wird Ihnen in den nächsten Stunden ein Bild Ihrer Lebenssituation mental übermittelt werden.

Sie können Ihren PC vom Netz trennen, Sie können ihn zerstören: unsere Botschaft, unser Bild bleibt davon unberührt – dieser Festplatteneintrag lässt sich nicht mehr löschen

Und das Bild kommt:

Ein ummauerter Hof – eine Katze hat eine Maus verletzt und – vorläufig- wieder freigelassen . . .ich kenne den Hof doch, . . . habe doch öfter von ihm geträumt, ohne Angst, - ich kenne auch seine Ausgänge, ich bin schnell . . . aber die Ausgänge sind verschlossen, die Schlösser ausgetauscht, die Katze hält Abstand . . . oder kommt sie schon näher, . . . warum ist der Hof so eng, ich habe ihn viel größer in Erinnerung, heller, freundlicher, mit Mauern, die sich immer wieder in Licht auflösten. . .

die Katze spricht, ganz ruhig:

. ...ich werde dich physisch und psychisch vernichten, den Zeitpunkt bestimme ich . . .ab jetzt lebst du, solange du noch lebst, in meiner /deiner MAUERHOFWELT, die Teilhabe an deiner früheren mit ihren Freuden, Planungen, Aktivitäten bleibt dir wortwörtlich verschlossen . . .

Und dann kommt die Angst, die Ratlosigkeit und zunehmend wirken Botschaft und Bild :

Der Zündchlüssel, der früher, in mir gedreht, Freude am Mitmachen , am Gestalten, an Teilhabe auslöste, dreht sich noch, aber: der Motor springt nicht mehr an, der Antrieb greift nicht mehr, rutscht immer wieder ins Leere, bewegt nichts mehr nach vorn, in die Zukunft, in die Zeit. . . .

Leben in eurer Welt heißt auch . . .Neues entdecken , Weiterentwickeln, Vollenden . . .

Leben im Mauerhof heißt Stillstand und Erstarrung , sich nicht mehr freuen können auf etwas, über etwas . . .

Und wir brauchen doch alle alle die Mut machende, anspornende Gewissheit, dass der Zeitpunkt unserer Endlichkeit im verschleierten Ungewissen bleibt, um als planende, suchende Wesen dieses Leben leben und gestalten zu WOLLEN??

Wird der Schleier zerrissen,wird Endlichkeit DEREINST zur Endlichkeit JETZT . . . zerreißen auch die Pläne des Lebens . . .

29.07.08

Aber warum sehe ich die andere, die mir vertraute Welt noch so deutlich, jenseits der Mauern, sehe die mir vertrauten Menschen, sie winken mir zu:

komm zu uns, KOMM. . .

ICH WILL JA - aber die Katze ,die Schlösser rauben mir mehr und mehr meine Selbstbestimmungsfähigkeit , . . .die Schläge, die Verletzungen tun weh . . .immer mehr . . .

Ich denke an euch, ich sehe euch doch noch so deutlich . . .wir wollten doch noch so vieles zusammen . . . aber eure und meine Wirklichkeitserfahrung triftet immer weiter auseinander, wird immer weniger vergleichbar . . .

Erinnerung an all das, was noch vor kurzer Zeit auch meine Welt war, erinnern ja , das Denken, Fühlen, Handelnkönnen, - Erinnern mit großer Sehnsucht . . .

Ihr außerhalb aber KÖNNT nicht wissen, was da drinnen gedacht und gefühlt wird – ihr habt es nie erlebt – seid glücklich darüber !

30.07.

NEIN!!!

Ich gönne der Katze nicht den TOTALEN Sieg, nicht auch noch den psychischen!!!!

Bleibt in der Nähe, haltet Kontakt, nicht nur gedanklichen –

aber, wenn wir uns treffen, muss dann mein Mauerhof mit ???

Er muss wohl . . .!??

Und wenn es irgendwann gelingt ,IM Mauerhof etwas, . . . ich weiß nicht was, . . .( noch nicht .?? . . .)

zu entdecken, das Ruhe, innere Ruhe schenkt, etwas, das Frieden stiftet, . . . nein, nicht Ergebung . . . aber eine Art SINN, NEUEN Sinn erahnen lässt, der nur denen begreifbar sein kann, die sich innerhalb des Mauerhofs befinden, einen Sinn, den auch die Katze zu akzeptieren hat . . .???

Warum sagt sie nichts, sie beobachtet mich, . . . hat sie alles gehört, denkt sie darüber nach, . . was plant sie , morgen oder heute Nacht oder . . .

1.08.08

Sie hat reagiert, hat wieder zugeschlagen:

Massive Kreislauf und-Blutdruckprobleme, verbunden mit lähmender Schwäche haben mich gezwungen, mein bis jetzt durchgehaltenes körperliches Trainingsprogramm drastisch zu reduzieren und teilweise einzustellen . . .das trifft mich auch psychisch . . .

6.08.08

Aber ich wehre mich – von draußen, jenseits der Mauern wird mein Appell verstanden, viele halten Kontakt, reichen mir mehr als die Hände:

manche helfen mir dabei, gut gemeinte neue Behandlungsvorschläge, - an die ich mich wie an Strohhalme klammere, weil sie neue Hoffnungen evozieren, Hoffnungen auf Weiterleben, auf Mauerdurchbruch , Kampfansage an die Katze sind. . . die mich aber auch verwirren, mich in zeitgleiche Entscheidungssituationen drängen, denen ich nicht gewachsen bin, die neue Unsicherheiten und Ängste auslösen, - vorerst wegzuschieben, den Kampf planvoll zu ordnen, zu konzentrieren,um nur das jetzt sinnvoll Machbare anzugehen . . .

7.08.08

Andere lassen dir, Katze, ausrichten:

aus welchen Motiven auch immer du das tust, was du jetzt tust, bedenke immer eines: willst du mich physisch vernichten, ist es auch dein sicherer Untergang – denk darüber nach !

Du bist in der Lage zu planen – Böses und Gutes, niemand hindert dich also auch daran, dein zerstörer – UND selbstzerstörerisches Werk aufzuhalten, zu beenden !!

Das ist jetzt MEINE Botschaft an dich, die dich auch Tag und Nacht begleiten wird!

Denk drüber nach, antworte!!

Und noch eins:

Ich spüre, morgen werde ich wieder Rad fahren können - ein körperliches Training, das ich seit 2004 aufgenommen habe, vielleicht in der unbewußten Ahnung, es einmal gegen deinen Vernichtungsanspruch einzusetzen, zumindest als Zeichen des Widerstandes, vielleicht als mehr . . .

Von außen kommt ein weiterer Zuspruch, er berichtet von unerklärbaren, aber dokumentierten Spontanheilungen – warum kommt der Hinweis gerade jetzt - im Zusammenhang mit dem Appell, dein Zerstörungswerk zu beenden . . .??

Alles nur Fantastereien, parapsychologische, aus der Panik geboren, von dir initiiert, um falsche Hoffnungen zu wecken???

9.08.08

Die Appelle lassen die Katze unbeeindruckt – im Gegenteil: totale Erschöpfung am Morgen zeugt von neuen Angriffen . . .

aber der Nachmittag gehört trotzdem mir – ich fahre den altvertrauten Weg wieder - wie angekündigt - langsamer, vorsichtiger ­ zwar, aber ich fahre ihn !

11.08.08

. . .eine Begegnung vor den Toren des Klinikums Kassel bleibt unerklärlich, un-begreiflich und doch tief in mir . . . :

eine Schar von Schulkindern kommt mir entgegen, untypisch langsam, still – unter ihnen ein Mädchen mit großen dunklen Augen –

als wir auf gleicher Höhe sind, verhält sie kurz, verbeugt sich leicht , schaut mir mit ruhigem Lächeln ins Gesicht, geht weiter . . .

Ich versuche einzuordnen, was nicht einzuordnen ist, gehe einen Schritt, drehe mich um – und schaue wieder in ihre eindringlichen, ernsten Augen . . .all das eine Begegnung von wenigen Sekunden . . .

Wer war sie, was weiß sie, was wollte sie mir sagen – ohne Worte . . .??

Ich verstehe es nicht, eines aber spüre ich ganz deutlich - mit der Katze hat sie nichts, aber auch gar nichts zu tun !

Wie aber kommt sie mir so nahe – als ob sie durch die Mauern gegangen wäre . . .???

14.08.08

Und wieder wird mir ein Strohhalm über die Mauer gereicht – in der Berliner Charite läuft ein Pilotprojekt : NANO – Krebstherapie, das speziell auch meinen Fall einschließt: Pankreaskarzinom , inoperabel plus Fernmetastasen !

Ich habe bereits Kontakt zu der Studienleiterin aufgenommen . . .sie hat meine Krankheitsgeschichte angefordert . . .

15.08.08

Strohhalme können sich auch wandeln, belastbarer werden, vielleicht zu Stricken, zu Rettungsankern werden ??? . . .

Die Katze hat alles aufmerksam verfolgt, antwortet mit vermehrten Schmerzattacken . . .

Und doch, „ihr" zum Trotz :

manchmal spüre ich,

dass noch genügend Lebenswille in mir ist . . .Gedanken, Wünsche, die die Mauer überspringen wollen . . .

aber auch:

wie sie gleichsam im Sprung erstarren, einfrieren . . .

Beides ist in mir, deprimiert und ängstigt - und sucht doch noch nach Auswegen . . .

20.08

Ein Gedanke geht mir immer wieder durch den Kopf, der vielleicht geeignet ist, den außerhalb der Mauer Lebenden eine Vorstellung zu geben von dem, was in- der- Mauer- Sein auch bedeuten kann:

man stelle sich vor, jeder Geborene bekäme mit seiner Geburt das terminierte, datierte Zeitfenster seines Lebens und damit seines Sterbens mitgeteilt – als unwiderrufliche, ausweglose Botschaft . . .

die Welt der heutigen spezies homo sapiens, dessen Spur in der Menschheitsgeschichte immer wieder Tod und Verderben hinterlassen hat, wenn es darum ging, Macht über andere zu sichern, wäre nicht mehr die jetzige, geriete völlig aus den Fugen, die Tatsache der extrem ungleich verteilten Lebensfenster würde, als Chance der Starken missbraucht, jedes geordnete gesellschaftliche Zusammenleben zerstören, ließe Schreckensszenarien eines zügellosen carpe diem auf Kosten der Schwachen, Verzweifelten den Ablauf der Zeit bestimmen - ein Albtraum . . . eine Vision endgültiger Auflösung moralischer Kategorien, nach denen zumindest zu streben oberste Maxime von Philosophien und Religionen war und ist . . .

28.08.

ODER:

Apokalypse, Zusammenbruch, aus der - gottgewollt – und genetisch mutiert ein Mensch, ein Wesen entstünde - verwandelt - das willens und fähig wäre, eine Ordnung zu leben, in der Egoismen und Machtstreben keinen Platz hätten, geächtet wären – wahrhaft ein Paradies, schon auf Erden . . .oder über den Wolken . . .oder anderswo, . . .aber bei IHM, mit IHM, in einer „Welt", die „Es" und „Ich" und „Überich" im NEUEN Menschen endlich und endgültig versöhnt . .

Und . . .sollte mein Mauerleben – ich denke es nach einem guten Gespräch heute zum erstenmal – sollte es wohl eine Art Vorbereitung bedeuten,

Vorbereitung auf das, was „anderswo" kommt . . .

Und das zurzeit dankbar erlebte angstfreie Einschlafen und Aufwachen auch ??

29.08.

„Ihr", die im Übrigen schon längere Zeit schweigt . . .:

Ich habe meine Krankheitsgeschichte und Befunde nach Berlin geschickt, soll mich am 16.9. dort vorstellen –

Zuvor aber steht das erste restaging an: am 1. und 2.9. werden die Tumormarker überprüft, wird sich zeigen, ob ich zu den 30-50% gehöre, die auf Chemotherapie

ansprechen . . .

Und wenn nicht – was bleibt dann noch . . . ? Nur noch Berlin??

Jedenfalls die Gedanken vom Vortag, auch die vom 30.07. und 7.08. - sie sind mir gegeben worden, in mir entstanden , ich bin dankbar dafür und hoffe und glaube, dass sie an Kraft gewinnen , weiterwirken, wachsen !!!

6.10.

Viele Wochen sind seither vergangen - Hoffnungen wurden geweckt und wieder zerstört, Mauerausbrüche versucht und mit wütenden Attacken der Katze beantwortet – aber trotz allem6., ich will einen weiteren jetzt in Angriff nehmen - BERLIN – so es meine derzeitige physische Verfassung zulässt:

aber der Reihe nach:

das Zwischenstaging vom 1.und 2.9. brachte für mich ein eher mutmachendes Ergebnis, die Ärzte waren da leider, für mich bis heute unverständlich, anderer Meinung:

Das Wachstum der Krebszellen im Pankreas und das der Lungenrundherde hatte zwar nicht ab- aber eben auch nicht zugenommen, die Tumormarkerwerte waren um die Hälfte gesunken !!!

kein Grund, zum Weiterkämpfen zu ermuntern???

Ich wollte es – allen rationalen Bedenken zum Trotz: es gab ja noch bohrende Fragen, die ich beantwortet haben musste:

handelte es sich z.B. bei den Lungenrundherden tatsächlich um Metastasen, Fernmetastasen, die bislang einen operative Entfernung des Pankreaskarzinoms verhinderten – der Befund „hochgradiger Verdacht . . ." genügte mir nicht!

Natürlich war der notwendig werdende operative Eingriff in die Lunge voller Risiken – aber es gab für mich einfach keine Alternative!

So kam es zur OP am 15.9. im Klinikum Kassel:

Das Ergebnis brachte Gewissheit, wenn auch eine enttäuschende, traurige:

der Verdacht vom Juni bestätigte sich, die Rundherde sind maligne, bösartig, der Primärtumor daher weiterhin inoperabel.

Was mir nun bevorstand, neben der psychischen Verarbeitung der Diagnose, konnte ich nicht ahnen :

am 21.9., knapp eine Woche nach meinem Klinikaufenthalt ,die OP schien zumindest physisch gut überstanden, meldete sich die Katze zurück, spät, aber dafür mit doppelter Wucht:

starke bis stärkste Schmerzen unter dem rechten Rippenbogen begannen mich zu quälen, ziehende, stechende, fließende, messerstichartrige . . .die jetzt seit über 3 Wochen anhalten und mittlerweile auch mit 5 verschiedenen Medikamenten nicht beherrscht werden konnten – heute wird ein sechstes - ein Opiat - eingesetzt, am Montag beginnt zusätlich eine physiotherapeutische Behandlung . . .

Beschreibung des neu eröffneten Kampfschauplatzes in meinem Körper: intercostale Neuralgie – Nervenreizung oder , entstanden im Verlauf der Lungen-OP, Abheildauer bis zu 3 Monaten , schlimmstensfalls erneuter Eingriff . . .

Und trotzdem – hör gut zu, rachsüchtige Katze:

Ich habe am 14.10. einen Termin in Berlin wg. NANO-Therapie und ich WILL dahin, wenn ich auch noch nicht weiß, wie ich das physisch schaffen soll:

Bewerte es als zweiten Ausbruchsversuch, plane neue Quälereien –

aufhalten wirst du mich nicht !!!

16.10.

ich habe Berlin geschafft – allerdings nur mit Hilfe von Jutta – eine Alleinfahrt war einfach nicht möglich.

Und was hat der zweite Kraftakt bewirkt ??

Leider – zumindest nicht all das , was erhofft war:

Das Wichtigste zuerst:

eine Therapie der Fernmetastasen ist - entgegen den Angaben im Internet (!) – auch in Berlin nicht möglich und damit gibt es dort – zumindest derzeit – ebenfalls keinen curativen Ansatz, keine Heilmöglichkeit, die allerdings Ziel der Studie bleibt :

Über einen , wenn auch nur minimalen Eingriff in die Bauchdecke werden nanokleine Eisenoxydpartikel direkt in die Tumorzellen eingebracht und von außen durch ein Magnetfeld in Schwingung versetzt. Die so entstehende Wärme kann im best case die malignen Zellen irreparabel schädigen – kann . . .Gewissheit hierüber konnte die uns beratende Frau Prof. Dr. Rau verständlicherweise auch nicht geben – ich wäre erst der 2. Patient in der Versuchsreihe ! . . .

Nun gilt es abzuwägen:

Ist das Abschlussstaging nach dem 3. Chemozyklus (4. November) ähnlich günstig wie nach dem ersten, könnte ich trotz aller Bedenken der hiesigen Ärzte darauf dringen, doch eine klassische OP des Karzinoms vorzunehmen (sog. Linksresektion mit wahrscheinlicher Entfernung der Milz und Inkaufnahme der bekannten Risiken jeder Bauchoperation)

plus weitere Chemotherapie gegen die Lungenmetastasen –

letzteres wäre in Berlin übrigens auch nicht anders -

oder ich entscheide mich für den wesentlich schonenderen NANO-Eingriff, bei dem der Tumor vor Ort attakiert wird - ohne aber sicher zu sein, ob er im Wachstum „nur" gestoppt, geschrumpft oder doch zerstört wird – das soll die Studie ja erst zeigen . . .

Noch erscheint mir Berlin aussichtsreicher, noch . . .

Die Katze hat alles Getane und Bedachte mitverfolgt, weiter ihre zermürbende Schmerzwaffe eingesetzt, am 17.10. z.B. überfallartig verstärkt, als ich versuchte, das Opiat wegen der massiven Nebenwirkungen abzusetzen und zum erstenmal seit langer Zeit wieder Rad zu fahren –

In diesen Tagen „vergesse" ich manchmal, dass ich krebskrank bin, - was soll erst werden, wenn Tumorschmerzen dazukommen ???

Letzteres entwickelt sich mehr und mehr zum Indikator meines Widerstandes - zur Mobilisierung offenbar weiter vorhandener körperlicher und geistiger Kräfte – GUT SO !!

Oder täuscht mich die auch leicht euphorisierende Wirkung des Opiats , Waffe im Arsenal der Katze ??

22.10

Der 3. Zyklus hat begonnen – die Schmerzen sind leicht zurückgegangen – und ich fahre wieder regelmäßig Rad !!!

3.12.

Einige Wochen sind vergangen – das zweite Zwischenstaging am 17.u.20.11. ergab einen deutlichen Rückgang des Tumormarkers, eine leichten des Primärtumors und weiterhin Stillstand im Größenwachstum der Lungenmetastasen.

Die Beschwerden nach der Lungen-OP müssen auch noch nach 3 Monaten weiter therapiert werden, wenn auch mit wesentlich weniger Schmerzmittel.

Gute – schlechte Nachrichten – von beiden etwas??

Viele Gespräche habe ich darüber geführt, mit den Ärzten, mit Freunden, mit der Familie, habe versucht, die sich leider allzuoft – durch die Sachlage bedingt - widersprechenden Argumente und Ratschläge zu gewichten, zu einer Entscheidung zu kommen, die ich schließlich ganz alleine treffen muss – noch ist es mir nicht gelungen ...

„Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben , sondern den Tagen mehr Leben" – dieses Motto stand z.B. im Mittelpunkt der Gespräche mit Dr. Braner nach dem zweiten staging.

Ich habe es als Mahnung verstehen müssen, weitere Experimente in Richtung Berlin mit Blick auf die Risiken einer Studienteilnahme in Phase 1 ohne Aussicht auf Wirksamkeits- nachweis und mangels Erfahrungswerte in bezug auf möglich Komplikationen nach Bauchöffnung und Partikeleinleitung u. u. sehr kritisch zu betrachten, ja, diese Gedanken aufzugeben und zu der palliativen Begleitung der mir verbleibenden Frist zurückzukehren zurückzukehren...

Und das würde „den Tagen mehr Leben geben" ???

Vielleicht klingt es hybrid, anmaßend , aber mein Wille weiterzuleben, „dem Leben auch noch mehr Tage zu geben" ist ungebrochen stark, kann sich mit dem „palliativ begleitetem Zuwarten auf das Ende noch nicht abfinden, zumindest solange nicht alle, aber auch alle Wege auf weitergehende Therapien in Richtung eines curativen Zieles ausgeschöpft sind.

Aber sind es wirklich reale Wege, sind es nicht doch Irrwege, Traumszenarien, nur scheinbare Mauerausgänge, die die Rückkehr in die Realität des Hofes nur umso schmerzhafter macht, ihr wahrhaft jede Qualität nimmt ???

Ich weiß es nicht, noch nicht, aber wenn das Kampf ist, was zurzeit in mir stattfindet, dann kämpfe ich um die richtige Entscheidung in dem Bewußtsein, dass es kein „absolutes richtig" geben kann . . .das treibt mich um, verunsichert, lässt mich nur noch schwer zur Ruhe kommen . . .

Und doch und das ist gut so – in keiner Phase der letzten Wochen hat die Situation, wie sie nun einmal ist, Panik ausgelöst –vielleicht auch, weil sie gehalten, stabilisiert ist, wurde von einem Gefühl des letzlichen Annehmenkönnens , wie ich es schon am 30.7., 7. u. 28.8. erhofft und beschrieben habe :

6.12.

Annehmen,was un-umgänglich ist, aber erst, nachdem alles Umgehen, alles Suchen nach Auswegen ohne Aussicht, aussichtslos geblieben ist !

Zurückkehren bzw. Annehmen der Mauern des Hofes, die dann Ihren Schrecken verloren haben – dann ja, dann a –men –so sei es !

8.12.

In diese Phase des vorläufigen Resumeeziehens drängte sich noch einmal ein Gedanke,der die Perspektive eines möglichen Ausweges neu belebt :

Prof .Wolf (Klinikum Kassel) hatte im Juni angedeutet, dass er nach einem günstigen Verlauf der Chemotherapie eine OP des Primärtumors „erwägen" würde!

Das musste ich jetzt genau wissen :

am 12.12. saßen Jutta und ich ihm gegenüber – er blieb bei seiner Einschätzung vom Juni,

wies allerdings daraufhin, dass er die Zustimmung des Chefchirugen einholen müsse, die letzte Entscheidung weiterhin bei mir läge und klärte über die immer verbleibenden Risiken einer solche „der gültigen Lehrmeinung in Deutschland" widersprechenden OP auf . . .

Hauptfakt : auch nach einer erfolgreichen Operation in Kassel oder dem Versuch, den Tumor in Berlin durch Nanotherapie irreparabel zu schädigen :

die 12 Lungenmetastasen, inoperabel verteilt in beiden Lungenflügeln, sind selbst kleine Tumore , noch in Schach gehalten . . .ein Eingriff am Primärtumor könnte sie aktivieren, wachsen lassen . . . könnte – vielleicht, vielleicht auch nicht . . .

Und immer wieder Konjunktive – alles könnte so sein, so werden und auch das jeweilige Gegenteil . . .

Kein Weg in Sicht, der mich einer Entscheidung näher bringt, kein Weg,ohne unübersehbare eindeutig – zweideutige Warnschilder : Begehen, Befahren auf eigene Gefahr, Sackgasse – terra inkognita/unbekanntes Gelände – andererseits ist auch kein Weg eindeutig gesperrt !

14.12.

Aber nicht der Gipfel eines Berges muss erreicht, der Aufstieg, der Weg zu ihm muss in Angriff genommen werden – und das habe ich getan und tue es noch !!

Kämpfen heißt aber auch, sich zu sich selbst zu bekennen : Wissen um Gefährdung begleitet mich seit meiner Geburt, Zweifel und Unruhe, aber auch der Drang, die Schatten zu bannen, kreativ umzudeuten in Sprache, Farbe und Form.

So konnten viele Auswege und Aufstiege gefunden werden, immer wieder – mündet nun alles auf den Weg des Anhaltens, den Ort des Zur-Ruhekommens??

18.12.

Ich wollte alles wissen, bin keiner Frage ausgewichen, habe Wege und Auswege gesucht, ich suche weiter –

Und ich kenne ein Rückzugsgebiet, das allmählich immer vertrauter wird – trotz Katze!

23.12

Die Antwort aus dem Klinikum heute war die zu erwartende – das border-team hat eine OP/Linksresektion abgelehnt /nicht befürwortet – aus den schon o.a. angegebenen Gründen . . .

Diskussionen im Familienkreis – alle waren zu Weihnachten gekommen – noch einmal . . auch in Hinblick auf die Option Berlin eher Skepsis – alle Signale von außen scheinen also auf „rot", auf Anhalten geschaltet -

und die inneren ??

Bedeutet das Anhalten wirklich innere Ruhe oder doch auch Aufgabe, gegen die sich alles in mir wehrt . . .?

2.1. 09

Weihnachts-und Jahreswechseltage sind vorüber – viele Befürchtungen in bezug auf besonders emotionale Belastungen haben sich Gott sei Dank nicht eingestellt – ich konnte ohne inneren Zwang entspannen, viele der inneren Bedrängungen loslassen, mich wieder einmal –nach vielen Monaten- ans Klavier setzen, wohltuende Momente erleben . . . danke dafür

Überhaupt: am 25.7. gibt es u.a. den Eintrag: . . . „Leben im Mauerhof heißt Stillstand und Erstarrung, sich nicht mehr freuen können auf etwas, über etwas"

Das würde ich heute in dieser absoluten Setzung nicht mehr schreiben müssen:

Sicher, es bleibt der Mauerhof, es bleibt ein radikal veränderter Lebensrhythmus –

Alle früher gewohnten Aktivitäten sind angehalten – ich gebrauche das Verb bewusst – frühere Auch-Gewohnheiten rücken in den Vordergrund, werden von Neben-zu Hauptsachen, zu Erlebnissen, die mir gut tun, ja, auf die ich mich freue, freuen kann:

Der tägliche Gang zum Schanzen, zum Kantor-Rohde Park mit dem Hund –ein Aufstieg übrigens – die Entspannungsübungen am Nachmittag, und als Höhepunkt die täglichen Fahrten mit dem Rad, gewollt in den frühen Abend gelegt:

Vor allem das Radfahren bewirkt eine innere Befreiung, einen auch physisch erlebten „Durchbruch" der Mauern, ein intensives Gefühl der Beruhigung, ja gesteigerten Bewusstseins:dasEintauchen, Einswerden mit der unberührten, weiten, menschenleeren Landschaft, den unendlichen Himmeln – den Schöpfungswundern, wie ich sie in meinen Bildern versucht habe zu erinnern, neu zu erleben, zu begreifen als Seelenlandschaften, Archetypen, Symbole menschlichen Empfindens und Erfahrens, die gleichermaßen einschließen Bedrohung und Befreiung, Aufruhr und Stille . . . Aufruhr eines aufziehenden Gewitters, Stille eines Sonnenuntergangs – Dramatik und Lyrik, - Pole des Lebens . . .

Ganz andächtig im Wortsinn wird man dann, fühlt sich angekommen, zugehörig – als Teil einer großen Harmonie , die tröstet und befreit – ein wahrhaft pantheistisches Erleben !

In der Schubert-Vertonung „Im Abendrot " (Text: K.G. Lappe) finden sich ähnliche Gedanken wieder :

O wie schön ist deine Welt,

Vater, wenn sie golden strahlet!

Wenn dein Glanz herniederfällt

Und den Staub mit Schimmer malet,

Wenn das Rot, das in der Wolke blinkt,

In mein stilles Fenster sinkt!

Könnt ich klagen, könnt ich zagen?

Irre sein an dir und mir?

Nein, ich will im Busen tragen

Deinen Himmel schon allhier.

Und dies Herz, eh' es zusammenbricht,

Trinkt noch Glut und schlürft noch Licht.

Die bisherigen staging-Ergebnisse zeigen eine nur scheinbare Stabilität, sind aber in Wahrheit eine hochbrisante explosive Sprengladung, der sich langsam aber unaufhaltsam

eine Zündschnur in Form der ebenso langsam aber jedenfalls bisher unaufhaltsam steigenden Tumormarkenwerte nähert !!

Dieses Wissen, dieses ständig präsente Bewusstsein zermürbt, machen die an Zeit und Intensität zunehmenden depressiven Episoden erklärbar – (s.Katzenprophezeiung vom 25.7 08!)

Und doch: „Weiterfahren!!"

Es wird schwerer . . .

18.10.

Die Katze hat wieder zugeschlagen:

Offenbar irritiert und gereizt durch die Tatsache, dass das neuste staging nach wie vor einen unveränderten Zustand des Primärtumors und der Lungenmetastasen ( stable disease ) zum Ergebnis hatte, 16. -19. 1. 09

Schwarze Tage – Gott sei Dank, sie sind vorbei, aber vergessen werde ich sie nie . . .

Es begann am Freitag mit Übelkeit und Schwäche, die normalerweise am Nachmittag abflaut – diesmal aber nicht . . .

Samstag uns vor allem der Sonntag brachte ein psychisches break-down, das ich in dieser Radikalität nie und nimmer erwartet hatte – zu lange hatte die Katze sich wohl in die Defensive gedrängt gefühlt, ihre Planungen aber nicht aufgegeben . . .

Ein Gefühl des Verlassen- und Verlorenseins breitete sich mehr und mehr in mir aus, verdunkelte die tröstenden Bilder der inneren Landschaften, ließ mich zurück wie ein hilfloses Kind – erinnerte an im Verlauf meines Lebens schon oft erlittene Depressionsschübe, damals als endogen diagnostiziert – diesmal war die Wirkungswucht wegen der offensichtlich exogenen Gründe so groß - so bitter hilflos machend . . .

Ein lange erwarteter Besuch hatte sich für Samstag angesagt – ich musste absagen . . .

Am Montagmorgen zwischen 11 und 13 Uhr dann die Wende !!

Innerhalb von nur zwei Stunden lichteten sich die Wolken, Kraft und Zuversicht kehrten zurück, ich stieg befreit wieder aufs Fahrrad – dankbar, unendlich dankbar und als ein entsprechend besorgter Anruf kam, konnte ich sagen: Ja, kommt, kommt noch heute !!

Es wurde ein entspannter, denkwürdiger Nachmittag . . .

Was war geschehen – ich will nicht viel daran rühren, nicht zu viel zu analysieren versuchen -

Aber eines will ich doch erinnern: auch während der dunklen Stunden hatte ich immer noch die Kraft, das Bedürfnis um Hilfe zu rufen, zu bitten , zu beten – und sie kam – nach einer mir wohl zugedachten, zugemessenen Zeit . . .

Und wenn ich auch weiß - die schwarzen Wolken können wiederkommen und die Sonne verdunkeln – zerstören können sie sie nicht !!

23. 01.

Wieder ein Freitag – mein Computer meldet sich ab, hat keinen Zugriff mehr auf die Festplatte . . .erste Diagnosen von Fachleuten befürchten den Verlust aller Daten, Sicherheitskopien habe ich nicht –

Nein, ich will keine Zusammenhänge weiterdenken . . .

24. 26. 01.

Die Dateien können gerettet werden . . .die Dateien

28.02.

Die schwarzen Stunden, Tage, Wochen sind wieder da – und diesmal wollen sie nicht weichen: von plötzlich einsetzender inneren Unruhe über Panikattacken zu lähmenden

Depressionen – die Katze zieht alle Register, um meinen psychischen Zusammenbruch

doch noch zu erreichen, schlägt physisch zu mit Schwächeanfällen, extremen Bluthochdruck bis zu 197 Systole am Morgen, mit permanent sich steigernden Schweißausbrüchen, die mich schon zweimal zum Abbruch des Radfahrens zwangen -

Angst vor dem Kommenden beherrscht mich . . .

Und das alles vor dem Hintergrund, dass die letzten staging-Ergebnisse (12.2.) der Krebstherapie nahezu unverändert stabil geblieben sind, nach Einschätzung der Ärzte durchaus ungewöhnlich nach so relativ langer Zeit . . .

Wäre der zu erwartende Verlauf eingetreten, hätte ich mir einen – zumindest zeitweiligen - Einbruch von Physis und vor allem Psyche noch erklären können – wie aus dem Nichts kamen und kommen aber nun die Angriffe – verwunden umso tiefer – wie lange halte ich noch Stand . . .

Ich musste einsteigen in einen Zug, der langsam in einen Tunnel fährt . . .

30.4.

Sollte die Tunnelfahrt, die am 28.2. begonnen hatte, tatsächlich zu Ende sein oder nur unterbrochen??

Tatsache ist, dass ich heute ein ähnliches „Auftauchen" erlebt habe wie am 19.1.

Schwäche und Übelkeit, depressive Grundstimmung – alles wie nie gewesen!

Und noch gestern, wie in all den langen Wochen zuvor steckte ich im Tunnelzug, der langsam im trüben Licht unbekannte Stationen passierte, auf denen Menschen mich anstarrten, den Kopf schüttelten, mit den Achseln zuckten . . .

Wann endlich hält der Zug?

Wann endlich, endlich kann ich aussteigen, um mich wieder auf die Suche nach „meinem Weg", meinem verloren gegangenem Weg zu machen

1. – 3. 5.

Noch ist es offenbar nicht soweit. Starke Übelkeit, totale körperliche Erschöpfung, vor allem am Morgen – nach ausreichend Schlaf !? – immer stärker werdende Blutdruckschwankungen erfordern Maßnahmen: eine Vitaminspritzenkur , Neueinstellung der Betablocker und Stabilisierungsversuche der Psyche durch Gespräche und Psychopharmaka.

Meine Hausärztin hat eine interessante Theorie zur körperlichen Erschöpfung entwickelt:

Das ständige Bewusstsein der Prognose, unheilbar erkrankt zu sein, ist ein – nunmehr seit knapp einem Jahr – ständig wirkender Stressfaktor, der sich sehr wohl auch im körperlichen Zusammenbruch manifestieren kann, nicht nur im psychischen (der weitgehend abgewendet werden konnte).

Gegen diesen break-down kann man sich auch wieder erholen, z.B. durch massvolles Gegenhalten (Aktivierung des Willens, Entspannungsübungen etc.)

4.5.

Alle negativen Symptome sind schwächer geworden, aber der Zug rollt noch,

ist noch nicht zum Stehen gekommen.

Ich bin froh über jeden Tag ohne Tempoverschärfung – auch ein Sieg !

Doch ich spüre, die Katze plant neues Störfeuer, will das positive Februarstaging und die ärztlichen Stabilisierungsbemühungen nicht kampflos hinnehmen!

6.5.

Der Zug rollt wieder schneller , diesmal ausgelöst durch zusätzliche Nebenkriegsschauplätze: Appetitlosigkeit und weitgehender Verlust des Geschmacksempfindens mindern die Lebensqualität doch erheblich,

das alte Leiden short-barret (Sodbrennen mit Folgeerkrankungen) hat sich schlagartig verschärft, Magenpförtnerprobleme, die ich jahrelang im Griff hatte, haben sich über Nacht verstärkt, Prostataschmerzen kommen hinzu – ich halte mit entsprechenden Medikamenten dagegen – der Kampf geht weiter – Ruhe ist mir jedenfalls –noch – nicht vergönnt . . .

18. – 20. 5.

Das 4. staging habe ich endlich hinter mir und die von Tag zu Tag steigende Befürchtung, nach all dem Auf – und Ab der vergangenen Wochen und Monate würde die schier endlose Tunnelfahrt in einem Sackbahnhof ,einer END-station münden, haben sich NICHT bestätigt:

Der Zustand des Primärtumors und der Lungenmetastasen ist nach jetzt fast einem Jahr (Erstbefund: 11.6. 2008) weiterhin unverändert: die Klinikärzte sprechen von einem kleinen „Rätsel", haben nach ihren Aussagen einen derartigen Verlauf eines derartigen Befundes noch nie erlebt . . .

Ich bin nach der so langen, zermürbenden Zeit der Anspannung natürlich sehr erleichtert, sehr, sehr dankbar . . . . ."und dies Herz, eh es zusammenbricht, trinkt noch Glut und schlürft noch Licht „

Keine Euphorie, nein, das „Rätsel" ist ja nicht gelöst, die negativen Symptome sind ja nicht verschwunden, die Grundprognose: unheilbar bleibt , darüber hinaus beunruhigt auch noch die Tatsache, dass die letzten 3 Tumormarkerergebnisse steigende Tendenz aufwiesen - das des 4. Tests steht noch aus . . .neues Störfeuer oder mehr ??

Aber der Zug steht zumindest nicht mehr völlig im Dunkel – in der Ferne ist Licht zu erahnen !

26.5.

Der Tumormarkerwert ist erneut gestiegen, trotz Stillstand des Tumorwachstums !!!

Wie ist dieser Widerspruch zu erklären – ich bekomme keine Antwort – was braut sich da

zusammen – will der Zug wieder rückwärts fahren ???

27.6.

Der Zug fährt immer noch und das Licht in der Ferne ist jedenfalls nicht dunkler geworden . . .

Stetig zunehmende körperliche Schwäche mindert die Lebensqualität erheblich, selbst Rad fahren kostet oft große Überwindung – aber noch habe ich es jeden Tag bei jedem Wetter geschafft und ich will es auch weiter schaffen . . .

24.8.

Noch fährt der Zug zwar, das Licht aber ist auch nicht verloschen . . .

Glas also halb leer, halb voll ??

Auf die medizinischen Daten bezogen: der Tumormarkerwert ist von 435 auf 459 gestiegen >(normale Schwankungsbreite ?), das 5. Zwischenstaging vom 17.8. zeigt weiter stabile, unveränderte Werte sowohl beim Primärkarzinom als auch bei den Lungenmetastasen – Dr. Braner spricht von einem „kleinen Wunder" – erstaunliche Äußerung bei seinen sonst eher zurückhaltenden Einschätzungen, „zurückhaltend „ausgedrückt" !

Wie dem auch alles sei, die innere Balance zwischen „ Hoffen und Bangen" ist keineswegs erreicht, das Wissen um den jederzeit plötzlich eintretenden „progress" im Krankheitsverlauf erzeugt eine ständig wachsende innere Anspannung, ein Gefühl des Ausgeliefertseins, ein Gefühl, auf einem Pulverfass zu sitzen – depressive Eintrübungen stellen sich ein . . . andererseits folgt bisher jeder Eintrübung auch wieder die Aufhellung – das macht -.noch - Mut, verhindert Resignation, lässt wieder „aufs Rad steigen", weiterfahren . . .

Ein Traum vor wenigen Tagen, den ich allerdings nach dem Aufwachen nur noch bruchstückhaft erinnerte, zeigt die Labilität der Gesamtlage:

Ich fahre in meinem Auto durch eine wüstenähnliche, menschenleere Landschaft – plötzlich überholt mich ein Motorrad mit hoher Geschwindigkeit, der Fahrer deutet mehrfach auf mich und verschwindet schließlich am Horizont . . .

Mein Blick fällt auf den Beifahrersitz und ich entdecke einen Zettel mit der Mitteilung:

„Alle 4 Radmuttern Ihres Wagens sind locker, die Zentralverriegelung ist aktiviert und lässt sich nicht mehr korrigieren -

fahren Sie weiter !!!

Wann fallen die Radmuttern ab?

Was nützt Anhalten, wenn ich nicht aussteigen kann??

Der letzte(?) menschliche Helfer ist am Horizont verschwunden !!!

Und dann doch die Aufforderung: „Fahren Sie weiter" . . .

Alles nur tückische Tricks der Katze, um Angst und Panik auszulösen – oder doch ein mutmachender, wenn auch irrationaler Hinweis eines anderen Autors der Botschaft:

Trotz allen Wissens um zeitnahe Todesgefahr: „Weiterfahren!!"

Es „lohnt" sich!???

29.09.

Die Katze schockt mit einer neuen, unerwarteten Bedrohung: ich erwache am Morgen mit einer sich offenbar über Nacht gebildeten Armthrombose unklarer Herkunft (Tumoraktivität, Reaktion auf vor 2 Wochen implantierten Port ??), die einen sofortigen einwöchigen Klinikaufenthalt nötig machte: Heparininfusionen und Einstellung auf den Blutverdünner Marcumar haben das Embolierisiko derzeit gestoppt – was kommt als nächstes??

Die depressiven Episoden jedenfalls nehmen zu und die Mittel dagegen werden wirkungsloser – am 26.10 habe ich eine neuen Termin beim Therapeuten.,

Und trotz allem: das Rad fahren habe ich nach der Klinikpaise wieder begonnen, zum Aufgeben lass ich mich nicht zwingen, obwohl –s.o. : es wird schwerer . . .

20.10.

Und die Katze, sie hatte doch noch einen Trumpf: den Tumormarker !

Heute erfahre ich, dass er von 459 auf 631 gestiegen ist !!

Außerdem ist im Arztbericht vom 14.10. von „geringer Größenzunahme der pulmonalen Herde" die Rede.

Das Luntenfeuer läuft offenbar schneller . . .ist das der Beginn der nächsten, der letzten Runde . . .

Dr. Braner spricht allerdings noch nicht von einem „progress". Fachterminus für negativen Fortschritt, da der Primärtumor weiterhin unverändert groß ist.

Er bietet zusätzliche Mittel mit allerdings gravierenden Nebenwirkungen wie Schleimhautentzündungen, akneähnlichen Ausschlägen u.ä. an, die allenfalls die Lebenserwartung geringfügig verlängern, die Lebensqualität jedenfalls erheblich mindern würden . . .was tun ????

26.10.

Ich werde die zusätzlichen Mittel nicht nehmen . . .überhaupt nicht mehr . . .ich weiß es nicht . . .

Ich habe in den letzten Tagen mit vielen Menschen, vor allem im Freundeskreis gesprochen – niemand hat mir zugeraten, aber ich weiß natürlich auch, dass niemand genau wissen kann, was in mir vorgeht – das kann nur ich allein . . .und kann es selbst nicht mehr . . .

Wenn ich nur endlich wieder auftauchen könnte aus dem Tunnel, dem psychischen Dauertief . . .

Mein Widerstand gegen die Einnahme antidepressiver Mittel bröckelt: um einen einigermaßen erträglichen level der Ausgeglichenheit zu erreichen, habe ich nach Rücksprache mit DR Braner die Dosis von Tramadol um eine halbe auf jetzt 1 Tabl/tgl. erhöht und nicht selten kommt noch ½ Tavor hinzu..

Lange habe ich mich dagegen gesträubt, wollte aus eigener Kraft und mit Rad fahren die Tiefs überwinden oder hoffte auf spontanes Wiederauftauchen – aber, es funktioniert einfach nicht mehr:

Soll ich zusätzlich zur Ausweglosigkeit des Krankheitsbefundes die zerstörerischen Ausweglosigkeitsgefühle einer Depression ertragen, auf mich nehmen, wenn es zumindest in dem letzteren Bereich medikamentöse Auswege gibt – ja, auch mit dem Risiko der Abhängigkeit !??

Hinzu kommt, dass die körperlichen Schwächezustände, verbunden mit paradoxen Blutdruckschwankungen derart zugenommen haben (mehrmals schon kam es zu Fast-Stürzen), dass ich ernsthaft an einen – zumindest zeitweisen – Abbruch des Radfahrens denke – denken muss . . .

Es wäre ein großer Rückschlag für mich, ein großer Sieg der Katze – aber kein totaler !!

Schon zu Anfang meiner Aufzeichnungen habe ich ihr geschworen, mich psychisch nicht besiegen zu können – und diesen Schwur gedenke ich nach wie vor zu halten !

29.12.

Alles ist noch viel schlimmer gekommen als befürchtet –

Extreme körperliche Schwäche, Benommenheit, fortgesetzte dramatische Blutdruckschwankungen haben mich schließlich vor einigen Wochen gezwungen, das Rad fahren aufzugeben – ein Umstand, der mich tief getroffen und verunsichert hat – war es doch überlange Zeit DAS Symbol meiner Widerstandskraft !!!

Aber ich gab auch dann nicht auf, suchte nach Alternativen: Treppensteigen, 2x500 Stufen pro Tag und ca. 20 Minuten Training auf einen für Jutta und mich angeschafften hometrainer.

Das ging eine Weile gut und gab der Katze ein deutliches Signal, dass ich mich keineswegs geschlagen geben würde – bis zu dem Tag, der alle Hoffnungen zu zerstören scheint . . .?

Am 22.12. fällt mir beim Hundespaziergang plötzlich die Leine aus der Hand, Finger und Unterarm werden kraftlos und taub – ca. 10 Minuten lang – am 23.12. knicke ich beim Treppensteigen mehrfach mit dem linken Bein ein . . .

Ich informiere Dr. Braner, der mich umgehend zu neurologischen Untersuchungen ins Krankenhaus zitiert (Schlaganfallverdacht).

Die Tests und auch die Kopf/Schädel CT ergeben keinen positiven Befund, ischämische Attacken (Vorläufer eine Schlaganfalls) sind aber nicht auszuschließen.

30. 12.

Der nächste Schlag der Katze ließ nur eine Tag auf sich warten.

Auf Anraten von Dr. Braner veranlasste ich im Evangelischen Krankenhaus eine Durchlässigkeitsprüfung der zum Kopf führenden Arterien – mit dem niederschmetternden Ergebnis, dass die linke aorta carotis (Hauptschlagader) total verschlossen ist – Operation zwecklos – der detaillierte Arztbericht steht noch aus . . .so lassen sich die Attacken (Sehstörungen und Zungenlähmungen kamen noch hinzu) leider noch viel eindeutiger erklären . . .

So hänge ich nun Gefangen in der Zange zwischen zwei Lebensbedrohungen: der drohenden Rxplosion des Karzinoms und aller anderen Krebszellen und/oder einem Schlaganfall !!

Sich steigernde Ängste und Depressionen sind die Folge – zwangsläufig . . .

Was bleibt – banges Warten und – ja, auch noch hoffen !!

Jeden Tag bewältige ich noch das Laufen mit dem Hund, wenn auch oft auf eingeschränkter Route.

Stürze waren auch schon dabei – aber es ist noch Widerstand in mir – Widerstand gegen den totalen Sieg der Katze !!!

20.2. 10

Am 17. 2. kommt es zu einem Kollaps in der Sprechstunde des Krankenhauses mit anschließendem mehrtägigen stationären Aufenthalt . . .

Dr. Braner erklärt sich die körperlichen Ausfälle und die damit einhergehenden Depressionen auch als reaktionen des Körpers auf das nunmehr seit fast 11/2 Jahren anhaltende „Warten" auf die jederzeit mögliche Explosion des Karzinoms bzw. der metastasen und Mikrometastasen, die selbst im CT nicht sichtbar gemacht werden können, aber aller Wahrscheinlichkeit im Körper vorhanden sind.

Er schlägt vor, eine ca. vierwöchige Pause in der Chemotherapie, um den Körper zu entlasten (die staging-Werte vom Oktober sind übrigens weiterhin stabil, die Tumormarkerwerte steigen dagegen schon seit fast einem Jahr langsam aber steig), weist aber auch auf das Risiko hin, dass gerade in einer solchen Pause die bis jetzt gestoppte Ausbreitung des Krebses erfolgen könnte!

Die Entscheidung musste ich fällen – es war eine zwischen Pest und Cholera – ich habe schließlich zugestimmt – sie hat die psychische Belastung auf ein kaum noch zu steigerndes maß erhöht – nicht mehr dazu !

Alle Psychopharmaka wirken nicht mehr oder noch nicht – hätte ich nicht den Schlaf, der noch einigermaßen funktioniert, ich wüsste nicht –manchmal erscheint der Gedanke, einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen verlockend – dann aber wehre ich mich wieder mit aller verbliebenen Kraft dagegen – ich will ja leben, weiterleben -- aber die Lebensqualität hat dramatisch abgenommen.

10.04. 10

Fast ein Drittel des neuen Jahres ist vergangen – und die Lage, vor allem in psychischer Hinsicht ist angespannter denn je:

So gut wie keinen Einfluss hatte eine zweite,mit der ersten kombinierte 4 Zyklen umfassende Chemotherapie auf das Wachstum des Tumors und der Lungenmetastasen – die Ärzte sprechen trotzdem von einem leichten Progress – dagegen stiegen die Tumormarkerwerte kontinuierlich an und haben im März mit dem Index 1655 (!) den Ausgangswert des Jahres 2008, also vor Beginn der ersten Chemotherapie, von 1243 weit überschritten (zwischenzeitlich war der Wert auf 270 (November 2008)

gesunken!!

Von da ab ging es nur noch „aufwärts"!

Zwar kann ich dem Internet entnehmen, dass „der Tumormarkerindex immer mit dem Tumorwachstum korreliert" – was in meinem Falle völlig unzutreffend ist – beruhigen können solche Widersprüche natürlich nicht, sie steigern nur noch die innere Ratlosigkeit, die seelischen Spannungen, die depressive Grundstimmung . . .

Dr Braner hat nun einen neuen letzten(??) oralen Therapieversuch gestartet: 16(!) Tabletten, verteilt auf 2 Dosen – ob das mein Magen verkraften wird, bleibt abzuwarten.

Immerhin habe ich nach dem 1.Zyklus noch keine wesentlich belastenden Nebenwirkungen – ein kleiner Lichtblick, aber immerhin ein Lichtblick – und wenn nach den geplanten Zyklen die Markerwerte fallen würden und der Tumor . . .

Aber ich will nach den vielen Rückschlägen nichts vorwegnehmen – nur hoffen und bitten mit aller noch verbliebenen Kraft !

19.04.10

Mittlerweile hat die Katze ein neues Betätigungsfeld aufgetan – nach auffallend nachlassender Sehstärke meines rechten Auges habe ich meinen Augenarzt konsultiert, der mir dringend zu einer Operation beider Augen wegen Grauen Stars riet – der Eingriff wird wohl im Mai erfolgen . . .

Seit fast zwei Jahren lebe ich nun in der „Erwartung" meines medizinisch von Anfang an unmissverständlich prognostizierten Todes und der der irrationale Hoffnung auf eine spontane Heilung – ein Wunder . . .

Gegen oder für sie eine oder andere „Problemlösung" kann ich wenig bis nichts (Spontanheilung) tun – das Wenige allerdings tue ich !

Sicher kann man als Außenstehender nur annähernd ermessen, welche innere Spannungen, Zerreißproben und psychische Belastungen dabei auszuhalten sind,

wie ein solcher Zustand langsam aber stetig den immer noch vorhandenen Lebenswillen zu zermürben droht . .

6.5. 10

Was nun – Katze??

Per Extrapost teilt mir DR. Braner mit , „drastischer Rückgang des Tumormarkers von 1644 auf aktuell 299 U/ml."!!

Ein MRT des Schädels w. der anhaltend körperlichen Ausfälle (Bein, linker Arm) ergibt keine besorgniserregende Befunde, vor allem keinen Infarkt und keine Metastasen ------

Nach diesen positiven Nachrichten müsste es doch vor allem psychisch aufwärts gehen .

. . . das Gegenteil ist der Fall !???

Warum??? Plant die Katze neu, stellt sich auf neue Taktiken ein ??

Ist es das lange Warten auf das nächste staging und CT (nach der offenbar erfolgreich wirkenden 3. Chemotherapie innerhalb jetzt fast 2 Jahren wird die letztere –Xeloda 500, je 5 Kapseln morgens und abends weitere 3 Zyklen fortgesetzt (9 Wochen !)

Sind es die kaum noch wirkenden Psychopharmaka ??

Sind es die weiter ungeklärten körperlichen Symptome ??

Keine Antwort !!

5.2.2011

Als der Tumormarker am 29.3. 2010 auf die beängstigende Höhe von 1666 Punkten gestiegen war, schien das Ende nah . . .kein Wunder,dass die Depressionen stärker wurden.

Andererseits hatte ich fast 2 Jahre ständig mit der tickenden Zeitbombe gelebt, mich damit immer intensiver mit dem jederzeit notwendig werdenden Abschiednehmen auseinandergesetzt – Panikstimmung konnte immer wieder angebaut werden- eine Art trauriger Gelassenheit nahm zu - -auch als Ergebnis ständiger Gebete

Und dann passierte ein Wunder:

DieTumormarkermessung vom 21.6. ergab eine „kleine" Sensation:

Der Index war von 1666 auf 150 gefallen !!!

Ich wartete voller Spannung auf den 7.10, den Tag des nächsten stagings, das Aufschluss bringen sollte über die zu erwartenden Veränderungen – nach den Markerzahlen konnten es nur Verkleinerungen des Tumors und der Metastasen sein !?

Der Katze schienen diese positiven Erwartungen überhaupt nicht zu gefallen und prompt schlug sie gleich mehrfach zu :

ein infolge der letzten Chemo aufgetretenen Hand-Fußsyndrom verschlecherte sich derart, dass ich nicht mehr auftreten, nicht mehr laufen konnte

die Symptome der im MRT entdeckte Sinuitis verstärkten sich erheblich

ständiges Tränen beider Augen erschwerten das Lesen erheblich

plötzlich eintretende Diarrhoe im Wechsel mit Obstipation plagten mich wochenlang –eine stationäre Infusionsbehandlung mit Elektrolyten wurde nötig

Prostata – und Blasenschmerzen kulminierten zu akutem Harnverhalt und führten zu weiterer stationären Katheterisierung . . .

Mach nur so weiter, Katze, gegen die bleibende Hoffnung einer signifikanten Besserung der Grunderkrankung (s. Tumormarkerwert) kannst du nichts ausrichten – ich sehne den 7.10. herbei - so oder so!!

7.10

Eine Riesenenttäuschung :trotz des dramatischen Abfalls der Tumorwerte haben sich Karzinom und Metastasen nicht bewegt – zwar kein Progress, aber eben auch kein Rückgang der Krebszellengröße– als hätten Markerwerte und Tumor nichts miteinander zu tun - die Ärzte stehen vor einem Rätsel . . .

10.11. und 24.1. 2011

Ich habe jetzt fast 4 Monate Chemopause hinter mir und der Markerwert ist auf unglaubliche 3666 gestiegen!!!

Das sofort vorgezogene ,mit Bangen erwartete staging (24.1.) zeigte allerdings zum wiederholten Male keine Bewegung, keinen Progress, d.h.:

Ob die Werte nun steigen oder fallen, Karzinom und Metastasen reagieren weiterhin einfach nicht !!!

Unerklärlich!

Die momentane Lage. Dr. Braner empfiehlt weiteres Aussetzen, um zumindest körperliche Erholung nach fast 3 Jahren Chemotherapie zu ermöglichen – und er empfiehlt : abwarten !

Aber warten worauf – auf spontane Heilung oder einen plötzlichen Ausbruch des Karzinoms und schnelles Ende ???

Die Situation hat mich in einen Zustand der inneren Zerrissenheit geworfen, der nur schwer, sehr schwer zu ertragen ist . . .und die Katze tut ihr Übriges, über die oben geschilderten Prostata-und Blasenkomplikationen weiter Schläge auszuteilen

Aber auch das gehört zur physisch-psychischen Lage:

Im letzten halben Jahr habe ich immer wieder versucht, zumindest zeitweise der Katze und dem Mauerhof zu entkommen – und mit ERFOLG: mehrmals aktive Teilnahme an den Proben „meiner" Theatergruppe, 1 Ausstellung und 2 Lesungen bei Vernissagen in Hofgeismar und Baunatal stehen dafür.

Der größte „Sieg"aber war die Teilnahme an der Winterausstellung des Fischerhuder Kunstvereins im Dezember 2010 (einer meiner Traumziele neben den großen Fahrten nach meiner Pensionierung).

Zur Ausstellungseröffnung bin ich (übrigens gegen den Rat meiner Ärzte) an einem Tag über 600 km gefahren –ohne große Anstrengung, wie befreit, ich habe den Tag dankbar als großes Geschenk empfunden - und die Katze war ganz still . . .

10.4.2011

Es war zu befürchten, dass die Katze nicht lange ruhig bleibt

Ich hatte die Xelodatherapie gerade wieder begonnen und erwogen,

das Fahrradfahren wieder aufzunehmen, da kamen die neuen Katzenschläge :Plötzlich auftretende Unterleibsschmerzen –die die Doktores sich auch nicht erklären können,da die Befunde negativ sind ,Entzündungen der Zehen, Wiederauftreten des Hand-Fußsyndroms, Schwäche und Schwindel und am beunruhigensten: immer wieder Ausfälle

der Funktion des linken Armes wie schon vor einem Jahr. Damals wurde ein Totalverschluß der rechten Aorta verantwortlich gemacht und jetzt ???

Der Anfang vom Ende?????

„Nein, ich will im Herzen tragen . . ."

17.4.2011

Die Katzenattacken haben eine neue „Qualität" erreicht:

Beruhigend war z. B, dass mein Gewicht über die ganze Zeit konstant blieb.

Das ist jetzt vorbei

die heutige Kontrolle ergab eine Gewichtsabnahme von

4 kg!

Außerdem merke ich beim home-training und beim Lauf mit dem Hund, dass meine Kraftreserven abnehmen . . .

Schwäche und Augenprobleme vor allem am Vormittag nehmen zu . . .

Kraftlosigkeit im Arm und Bein escalieren, dreimal bin ich nachts schon gestürzt, lasse Gegenstände, die ich links trage, fallen (Kaffeetassen etc.) . . .

Die behandelnden Ärzte haben mich zum EEG, Doppler und Kernspintomographie geschickt,

die Befundberichte liegen leider noch nicht vor ,angedeutet wurde aber in Kassel, dass eine Vernarbung im Gehirn zu sehen sei, die von einem Schlaganfall herrühren könnte!!

Und doch: ich gehe wieder zu den Theaterproben, die mir zumindest psychisch gut tun

Ich will leben,leben,leben und weiß doch um die Brüchigkeit meines Zustandes.

Trotzdem: Sollte vor oder bei der Premiere am 27. 5 . (kommt ihr (???) das AUS eintreten sollte, (ich habe da so eine Ahnung), ich habe Tina und Chris eindringlich gebeten, zu spielen, in memoriam und der Katze zum Trotz, nun gerade eine Komödie!

7. 5. 2011

Die Kasseler Befundberichte waren insgesamt beruhigend, keine Hirnmetastasen . . .

DR. Braner setzt die orale Therapie für längere Zeit aus, die Bein - und Armattacken

lassen nach, treten nur noch ganz sporadisch auf – Hoffnung keimt auf . . .

27.5. 2011

Die Premiere, Zweitaufführung und Aufführung in Bad Karlshafen waren volle Erfolge,

in Hofgeismar gab es sogar „standing ovations".

Das tat der Seele gut . . .

12.8.2011

Das Hochgefühl hielt lange an - bis heute !

Wie konnte ich auch glauben, dass die Katze jemals Ruhe geben würde – sie hatte mich nur in relativer Sicherheit gewiegt ,um dann umso grausamer zuzuschlagen:

Heute ist der Tumormarkerindex um 4000 Punkte auf furchterregende 6028 gestiegen!!!

Weiter kamen vor kurzem Nachrichten aus Marburg und Heidelberg, dass die dort neu angewandte Strahlentherapie, die ähnlich wie die in Berlin, die Tumorzellen gezielt angreift und die gesunden Zellen schont, für mich wegen meiner Fernmetastasen nicht infrage kommt . . .

Und das war noch nicht alles: Anhaltende Gelenk- und vor allem Bauchschmerzen haben Dr. Braner veranlasst, eine Ultraschalluntersuchung des Abdomens durchzuführen, die Schlimmes zutage brachte:

Bauchwasser, das er auf einen progress zurückführte, d.h. ein Übergreifen der Krebszellen auf das Bauchfell !!!

Ist das nun der 3 Jahre lang befürchtete „Fortschritt „ der Krebserkrankung, der Beginn

des letzten Aktes im Drama: Pankreaskarzinom ???

Und im Hintergrund reibt sich die Katze schadenfroh die Hände . . .

Aber ich kann nur wiederholen: aufgeben, in Panik geraten: nie!

Die 3 Jahre Hoffen und Bangen hatten auch den „positiven" Effekt, dass ich mich auf das „Ende ??" innerlich vorbereiten konnte, sicher immer wieder unterbrochen von Depression und Mutlosigkeit, aber eben DOCH !

Und: In diesen Tagen bekam ich einen Lyrikband von Helmut (Temme) zugeschickt, mit der Anfrage , ob ich bereit und in der Lage sei, eine Rezension zu schreiben.

Ich habe eine Zeit lang gezögert, aber nach der Lektüre stand fest: mit Freude werde ich das tun: einige Sätze aus seiner Lyrik mögen den Entschluss verständlich machen:

„...ich hielt inne, atem holend, lauschend auf das klopfen des blutes und schritt weiter stolpernd fallend und mich wieder aufrichtend . . ."

und:

„ . . .Der Schnee verbirgt ,was dunkel war, lässt Furcht und Grenze schwinden.

Das Unbegriffene wird klar.

So kann ich Frieden finden."

Seine Worte rühren ans Herz, sind Verstehen und Trost zugleich!

Danke!

Selbst die Katze ist still geworden . . .

6.12. 11

Mehr als 3 Monate sind vergangen nach meinem letzten Eintrag, der doch teilweise recht optimistisch klang . . .

Jetzt hat sich alles, aber auch alles ins Gegenteil verkehrt – allmahlich ,aber anscheinend unaufhaltsam :

Es begann im Oktober mit unklaren Bauchschmerzen und Verdauungsproblemen:

Eine Sonographie zeigte Wassersäume an Milz und Leber (Aszitis), Symptome einer möglichen Infiltrationsversuchs neuer Metastasen in den Bauchraum . . .

Dann ging es Schlag auf Schlag :

Wegen starker Rückenschmerzen (Schultergelenk und Schulterblatt) veranlasste Dr. Braner im Kasseler Klinikum eine Skelettszyntigraphie wegen Verdacht auf Knochenmetastasen, was sich aber glücklicherweise nicht bestätigte (Befund: Schulterarthrose).

Soweit so – noch - gut

Der 2. Akt des Dramas Pankreaskarzinom verlief und verläuft dann allerdings niederschmetternd:

Stärkste Bauchkrämpfe machten stationäre Aufnahme nötig, eine Darmspiegelung ergab unklare Befunde bei Darmdivertikeln, die auf 2 mögliche Ursachen schließen ließen: „harmlose" Entzündung oder : Neubildung von Metastasen !!!

Eine Biopsie sollte Klarheit bringen.

Nach vielen Tagen langen bangen Wartens dann das niederschmetternde Ergebnis. Metastasen !!

Der Tumormarker war auf über 8000 gestiegen!

Eine neue, letzte Kombinationstherapie sollte am 6.12. beginnen(ausgesetzt wegen zur Zeit starker Bronchitis, die Katze triumphiert auf ganzer Linie!): letzte auch deshalb, weil nach 3einhalb Jahren sämtliche klassische Therapieversuche zum Einsatz kamen.

Dieser letzte droht mit massiven Nebenwirkungen wie akneähnliche Ausschläge in Gesicht und Oberkörper . . .aber, was bleibt mir übrig . . .

Starke Depressionen haben mich inzwischen fest im Griff . . . gegen die ich mich, soweit ich es noch kann, aber weiter wehre !!!!