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Transsibirisches Tagebuch: Mongolei (Teil 2)

17.07.2002

Wohl der bisher eindrucksvollste und schönste Tag der Reise – da müssen die Chinesen sich aber anstrengen !

Die Mongolei hat alle Erwartungen weit übertroffen!

Nach langem und erholsamen Schlaf brechen wir auf in die Berge. 1. Station ist ein Kloster, in dem im Gegensatz zu dem vom Vortag wieder aktives Leben herrscht (war bis 1990 verboten!). Mystik pur umfängt uns, alle Sinne werden aktiviert durch das Rasseln der Gebetswalzen, dem sonoren Singsang der Mönche, dem Geruch von Kerzen und Weihrauch, Auftakt zu einer Reise in eine – noch (?) - intakte Welt: Steppe,soweit das Auge reicht, Steppe, die immer hügeliger wird. Dann schieben sich vom Horizont her Berge heran, mächtige Berge, Gebirgsketten, die mit der vorgelagerten Steppe ein grandioses Panorama bilden - und auf dem teilweise almartigen Boden blühen – o Wunder, o Mongolenzauber – Enzian und Edelweiß!

Und dann kommen sie endlich – die wilden Reiter, sie haben uns wohl von ihren weit entfernt liegenden Jurten entdeckt, galloppieren heran, umkreisen uns, haben sichtbar Spaß, uns ihre Reiterkünste zu zeigen, und verschwinden , lachend, winkend – wir stehen nur sprachlos da, seltsam berührt, fast ergriffen von einem Gefühl der Ursprünglichkeit und Freiheit, das diese Menschen ausstrahlen. Wir Europäer wissen nicht mehr viel davon...

Yaks, Kamele, Rinderherden und immer wieder, immer mehr Pferde, kleinwüchsige, halbwilde, ausdauernde Tiere, mit denen einst Dschingis – Khan ein Weltreich erobert hat - jetzt haben sie friedlichere Aufgaben, wie ihre Pfleger und Züchter auch!

Mittagessen in einem Jurtencamp: gegorene Stutenmilch und wohlschmeckende Fleischbällchen werden von freundlichen Nomaden angeboten und das alles in dieser Natur, die Mensch und Tier und Pflanze zusammenführt – alle für einen, alle von EINEM!

Abschluss unseres Mongoleiaufenthaltes ist ein festliches Essen in einem Restaurant in der Stadt – auf dem Tisch stehen Fähnchen in den Deutschlandfarben, am Eingang erwarten uns gleich 6 Bedienstete – ein bißchen zuviel der Ehre – aber wir fahren morgen nach China in dem Gefühl, ein Land zu verlassen, in das man gerne wiederkommen möchte!

Daran ändert auch nichts der 3. Massageanruf gegen 23.00 Uhr – aufgelegt !

18.07.2002

Die Mongolei liegt weiter vorn – wir besteigen am frühen Morgen den bisher besten Transsibzug (dass der Ventilator bis kurz vor Peking nicht richtig funktioniert, stört nicht weiter, schließlich reisen wir ja authentisch!): Reiseset für das Nötigste hängt im Abteil für jeden Passagier, vom Toilettenpapier bis zur Zahnbürste, sauber geputzte Scheiben, geräumige Speisewagen, freundliches Personal usw..

Und dann doch noch erheblicher Ärger: Unser Wagen ist bis auf 3 Chinesen ausschließlich von Europäern besetzt, Franzosen, Engländern und Deutschen und prompt kommt es zum Streit. Zunächst pausenloser Lärm auf den Gängen und im Speisewagen - wie ruhig und friedlich war es doch in den Abteilen, in denen sich überwiegend Asiaten und europäische Russen aufhielten, ich erinnere nur an den 1. Transsib – dann blockieren vor dem Abendessen plötzlich Holländer den Eingang zum Speisewagen, wollen Arnd und mich nicht reinlassen, weil SIE angeblich schon über 1 Stunde warteten und „die Deutschen sowieso – schon seit 1914 – glauben, was Besseres zu sein!"...

Erregte Wortwechsel, Ludmilla und Arnd setzen sich lautstark ein, unschöne Szenen!

Die 3 Chinesen und das mongolische Personal hören und sehen erstaunt und sprachlos zu. Vergessen wirs...

Zwischenzeitlich können wir den erneuten Wandel der Landschaft beobachten, der Steppencharakter geht über in Halbwüste und Wüste, kaum noch Flora, ausgetrocknete Wadis, Stein, Kies, Sand - Sanddünen und Kamelherden durchziehen das weite Land - keine menschlichen Siedlungen mehr, soweit das Auge reicht.

Kurz vor 21.00 Uhr: wir nähern uns der mongolisch-chinesischen Grenze, hier wird es wieder einen, allerdings notwendigen 4-stündigen Aufenthalt geben: neben den üblichen Zoll-und Grenzkontrollen muss der gesamte Zug mechanisch angehoben und auf neue Radsysteme umgerüstet werden, die die der Spurbreite der chinesischen Bahn entsprechen.

Bis danach...