https://www.hass-art.de/modules/mod_image_show_gk4/cache/slider.transsib.transsib1gk-is-101.jpglink
https://www.hass-art.de/modules/mod_image_show_gk4/cache/slider.transsib.transsib2gk-is-101.jpglink
https://www.hass-art.de/modules/mod_image_show_gk4/cache/slider.transsib.transsib3gk-is-101.jpglink
https://www.hass-art.de/modules/mod_image_show_gk4/cache/slider.transsib.transsib4gk-is-101.jpglink
https://www.hass-art.de/modules/mod_image_show_gk4/cache/slider.transsib.transsib5gk-is-101.jpglink

Transsibirisches Tagebuch: Mongolei (Teil 1)

Ich freue mich riesig auf ein angenehm kühles Zimmer, bevor wir uns morgen in die Hektik der Großstadt Irkutsk begeben werden.
Diese Gegensätze sind anstrengend, aber auch äußerst anregend...

Am Nachmittag eine entspannende Fahrt auf dem See – 2 Stunden Fahrt und höchstens ein Zehntel ist geschafft, dieses „Meer" ist ein Phänomen. Die riesigen Wassermassen erwärmen sich auch im nur 2 Monate dauernden Sommer nie über 10°C, andererseits sorgen sie für ein angenehm frisches, erholsames Klima trotz intensiver Sonneneinstrahlung. Im Land des 8 Monate dauernden Winters mit Tag-und Nachttemperaturen bis minus 40°C wirkt der See mildernd und ausgleichend. Die im Sommer gespeicherte Wärme macht die Kälte erträglicher, die Balkainer fühlen sich so immer, das ganze Jahr hindurch, bevorzugt. Vielleicht erscheinen sie daher so angenehm freundlich!

Auf der Rückfahrt zum Hotel kommen uns auf der Autostraße immer wieder Kühe entgegen – sie werden morgens aus den Ställen gelassen, suchen sich bis zu 5 km weit auf den Bergwiesen ihre Nahrung und kehren gegen Abend – immer um die gleiche Zeit – nach Hause zurück, ohne dass sie ein Mensch treibt oder antreibt – auch hier alles im Gleichgewicht – und kein Autofahrer hupt oder schimpft, man nimmt eben gegenseitig Rücksicht ... auch das bewirkt der Zaubersee – mehr als 100 Sagen und Geschichten gibt es, die von seinem Einfluss berichten, diesen einen haben wir selbst erlebt...

Gegen 0.00 Uhr wieder ein Anruf – nein, kein Märchenwesen vom Ufer des Sees, bietet allerdings auch diverse Künste und Zaubereien an – ganz real – aber „erfolglos"...

14.07.2002

Die Geschichte der Gegensätze setzt sich fort – in Irkutsk, einmal die Hauptstadt Sibiriens, erwartet uns ein neues Baikal-Hotel, genauso elegant und freundlich wie das vom Vortag – kein Wunder, der Zaubersee ist nicht weit...

Irkutsk, einst gegründet von geflohenen ehemaligen Leibeigenen, den Kosaken, hat in der Altstadt die über 200 Jahren alten, heute noch bewohnten Holzhäuser mit reichen Schnitzereien bewahrt, präsentiert auf der anderen Seite modernste Büro-und Geschäftshäuser, luxuriös ausgestattete Villen, Theater, Museen und vor allem Hochschulen, jeder 6. Einwohner der 25 000 Einwohner zählenden Metropole ist Student.

Bummel über den Kolchosmarkt, Besuch eines orthodoxen Klosters, drei Mönche geben eine Kostprobe ihrer prachtvollen Stimmen, Essen in einem supermodernen Restaurant, bettelnde Kinder und alte Frauen in zerlumpten Kleidern, s.o. s.o. ...

Morgen geht es in aller Frühe weiter, die Mongolei lockt. Im Geiste sehe ich schon wilde Reiter auf den Zug zugalloppieren, sehe Rauch aus den Jurten im Hintergrund aufsteigen – wir werden sehen, Zeit zum Schlafen.

15.07.2002

Von wegen wilde Reiter – vorerst belagern uns wildgewordenen Grenz- und Zollbeamte an der russisch-mongolischen Grenze. 4 Stunden Auenthalt in Nauski, um Passformalitäten und Zolldeklarationen zu erledigen, die in einer halben Stunde zu bewältigen gewesen wären. Unfreundliche, arrogante Beamte, die offenbar ihre Macht ausspielen, um wer weiß welche Frustrationen zu kompensieren – aber das ist wohl kein spezifisch russisches Problem, sondern international verbreitet...

Wer weiß, wann es weitergeht, wer weiß, wie die mongolischen „Machthaber" sich verhalten werden und vor allem – wann?

Sowieso ist das mal wieder ein Tag der einfacheren Kategorie, zumindest, was die äußeren Umstände anbetrifft: der Transsib Nr. 6 entpuppt sich als äußerst renovierungsbedürftig – Wasserhähne in den Toiletten sind abmontiert, kein Toilettenpapier vorhanden und vor allem – die Klimaanlage ist total ausgefallen bei immerhin noch 26°C um 0.00 Uhr – die Fenster dürfen nicht geöffnet werden – „gute Nacht"!

Vorher aber gab es noch eine dreistündige Fahrt am Zaubersee entlang und somit auch Gutes zu berichten und die Fakten, die das Handbuch hergibt, bestätigen seine Ausnahmestellung: 687 km Uferlänge, 50 km Breite, der größte Süßwassersee des Blauen Planeten, was die Wassermenge angeht. Jedes Jahr verbreitert er sich um ca. 2 cm – es wird die Entstehung eines neuen Meeres erwartet!

Zurück zu den Tagesaktualitäten: ein Schweizer Filmteam nervt uns schon den ganzen Tag mit Dreharbeiten im Zug – so wurde z.B. das Mittagessen im Speisewagen von 12.00 Uhr auf 16.00 Uhr verlegt – na ja, passt eben zu all dem anderen – war, ist nun einmal nicht unser Tag!

Es kann nur wieder besser werden – morgen – wilde Reiter und so – wir werden sehen...

16.07.2002

3.30 Uhr

Nach ähnlichen Ver-und Behinderungen an der mongolischen Grenze wie s.o. haben wir im 26°C heißen Wagon nunmehr 8 (!)Stunden für den Übertritt von Russland in die Mongolei verloren – gegen 10.00 Uhr werden wir in der Hauptstadt Ulaan-Baatar ankommen, an Schlaf ist überhaupt nicht zu denken – Schnarchkonzerte meiner 3 Mitinsassen und kein Ende!

Also – der 16.07.2002 beginnt eigentlich erst um 10.00 Uhr, aber den ganzen Tag über halten Erschöpfung und Müdigkeit an, doch es gibt auch wieder Positives: die bisher gesehene Steppenlandschaft verheißt Gutes – vielleicht doch noch wilde Reiter!

Ulaan-Baatar ist eine aufregende Mischung aus Mittelalter und Supermoderne, unser mongolischer Reiseführer lebte 6 Jahre in der DDR, hat Maschinenbau studiert, spricht hervorragend Deutsch mit Berliner Akzent und das Hotel ist einfach Spitzenklasse: Konzert beim Essen, Hausbar, Zimmerbar, TV, Air-condition (funktionierend!) usw..

Am Nachmittag besuchen wir einen buddhistischen Tempel, anschließend eine Gala mongolischer Tänze und Sänger: die Ausdrucksmittel der Folklore entsprechen zwar dem asiatischen Kulturkreis, die dargestellten Themen aber sind universell: Liebe und Leid, Erfüllung und Enttäuschung - die Welt ist weit, die Menschen aber Menschen, gleichgültig, wo sie leben.

Morgen wollen wir die ursprüngliche Mongolei kennenlernen, in die Steppe fahren und eine typische Nomadenfamilie besuchen – jetzt aber heißt es, Schlaf nachzuholen – in dem kühlen Zimmer müsste es doch klappen – GUTE Nacht!